Apr 20

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Dieser Eintrag ist Teil 2 von 11 in der Serie Das Geheimnis der Meisterschaft

Kinder sind geniale Lernmaschinen! Über uns Erwachsene kann man das im Allgemeinen nicht mehr sagen. All die genialen Lernleistungen von Kindern gelingen uns als Erwachsene nicht mehr so leicht. Woran liegt das?

Warum erlernen wir als Kinder die meisten Dinge mit Leichtigkeit, während wir als Erwachsene große Schwierigkeiten damit haben?

Wie gelingen Kindern solche genialen Lernleistungen? Was unterscheidet ihr Lernen von unserem Lernen als Erwachsene?

Eine berühmte Zen-Geschichte kann uns vielleicht dabei helfen besser zu verstehen, was mit uns als Erwachsenen passiert.
Ein Schüler kommt zu einem Meister und möchte von ihm als Schüler angenommen werden. Doch der Meister scheint sich unschlüssig und nicht ganz gewillt ihn als Schüler anzunehmen.

Aufgrund dessen fragt er den Schüler, ob dieser einen Tee haben möchte. Der Schüler bejaht und bekommt eine Tasse. Der Lehrer fängt an die Tasse mit Tee zu füllen bis die Tasse bis oben hin gefüllt ist. Doch selbst als die Tasse gefüllt ist, hört der Meister nicht auf einzuschenken. Natürlich läuft der Tee über und alles Tee fließt auf dem Boden.

Der Schüler bemerkt dies und schreit auf und weist den Lehrer darauf hin, dass die Tasse doch nun voll ist und er aufhören kann. Nun ist jedem, der schon mal solch eine Zen-Geschichte gelesen hat klar, dass dies dem Lehrer nicht durch Zufall passiert ist. Also hört der Lehrer auf weiter einzuschenken und unterweist den Schüler.
Sinngemäß sagt er dabei folgendes zu dem Schüler. Wenn du mein Schüler sein willst, darfst du keine volle Tasse sein. Sobald deine Tasse voll ist, passt nichts mehr hinein und alles weitere Lehren von meiner Seite wäre vergebens. Sei eine leere Tasse, entledige dich deines Vorwissen, denn sonst kannst du nichts neues Lernen. Und beachte, dass es nicht alleine damit getan ist, dass du einmal eine leere Tasse bist. Lass auch mein Wissen los und werde wieder zu einer leeren Tasse. Behalte deinen Anfänger-Geist.
Was hat das mit Kinder zu tun?

Kinder haben gegenüber uns Erwachsenen einen großen Vorteil. Sie werden schon als leere Tassen geboren und bleiben es solange, bis wir sie füllen und ihnen nicht beibringen wieder zu einer leeren Tasse zu werden.
Kinder besitzen kein Vorwissen und da sie kein Vorwissen haben, ist bei ihnen auf einer natürlichen Art Interesse, Neugier und Aufmerksamkeit vorhanden. Sie können nicht anders als interessiert zu sein und in einen natürlichen Lernzustand zu gehen.

Niemand hat ihnen das Konzept von Misserfolg und Erfolg beigebracht, dass sie hemmen könnte. Niemand hat ihnen erzählt, dass man angeblich Talent braucht um bestimmte Fähigkeiten zu erlernen und dieses Talent angeboren ist. Und sie haben noch kein einschränkendes Selbstkonzept aufgebaut, nach dem sie sich richten könnten. Aufgrund dessen trauen sie sich alles, probieren alles aus und zögern nicht, wenn ihr Interesse geweckt wurde.

Kinder werden auch nicht durch sich gegenseitig widersprechende Motivationen gestört. Sie müssen im Allgemeinen nicht entscheiden, was sie als nächstes tun sollen. Von einem Terminplan habe sie auch noch nichts gehört.

Die Welt ist für sie ein Garten Eden. Und da sie noch keine negativen Erfahrungen mit der Welt gemacht haben, begegnen sie allem unvoreingenommen, naiv und ohne Ängste.

Kinder haben auch keine Selbstzweifel. Woher sollten sie diese auch haben. Sie haben noch nichts erlebt, dass sie an sich selbst zweifeln lassen könnte. Wenn Kinder sich mit etwas beschäftigen, dann tun sie dies mit voller Hingabe und Aufmerksamkeit. Dabei denken sie nicht darüber nach, wie erfolgreich sie seien werden oder was andere über sie denken werden. Sie lernen, weil sie Spaß dabei haben. Sie haben keine Agenda! Sie denken nicht darüber nach, was als nächstes ansteht. Sie schauen nur auf das, was vor ihnen liegt.
Für Kinder ist alles möglich und denkbar, den niemand hat ihnen beigebracht, was angeblich möglich und unmöglich ist. Deshalb fließen ihre Gedanken frei und uneingeschränkt.

Für ein Kind ist die ganze Welt ein Abenteuer, das es zu erleben gilt. Alles ist neu und strahlend.
Was also ist die Grundlage und Basis des Lernens, der Genialität und Kreativität? Und was können wir von Kindern lernen?
Es ist dieser unvoreingenommene und freie Geist, den Kinder und (manchmal) auch Anfänger noch haben. Es ist der Geist derjenigen, die keine unrealistischen Anforderungen an sich haben, weil sie wissen, dass sie Anfänger sind. Es ist der freie Geist des Anfängers und des Kindes, der nichts weiß und deswegen völlig unvoreingenommen und voller Neugier an seine Aufgaben herangeht. Es ist der Geist des Kindes, das keine Zweifel kennt und darauf vertraut, alles lernen zu können.

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