Mai 12

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Dieser Eintrag ist Teil 4 von 11 in der Serie Das Geheimnis der Meisterschaft

Was wir von von Kindern über’s Lernen, über Genialität und Kreativität lernen können, können wir wie folgt zusammenfassen:

Lernen entsteht durch Aufmerksamkeit und Konzentration und gehört zu unseren natürlichen Fähigkeiten. Wir müssen nicht Lernen lernen, wir müssen nur verhindern, dass unsere Fähigkeit zum Lernen sabotiert wird.

· Lernen läuft beiläufig ab und muss nicht durch äußere Zwänge erzeugt werden.

· Erziehung, das Fernsehen und Eltern können den natürlichen Lern- und Kreativitätszustand von Kindern sabotieren.

· Die Aufgabe von „Lerntechniken“ ist es unseren inneren natürlichen Lerner bei seiner Arbeit zu unterstützen.

· Vorwissen kann Lernblockaden für neues Wissen aktivieren. Sobald wir meinen, etwas zu wissen oder auch etwas zu können, verlieren wir unser Interesse und damit auch unsere Aufmerksamkeit und Konzentration, um etwas Neues lernen zu können.

· Wo kein Interesse, Konzentration und keine Aufmerksamkeit vorhanden ist, kann auch kein Lernen und Erwerb von Fertigkeiten stattfinden.

Von Timothy Gallwey macht in seinem Buch “The Inner Game of Tennis” die Aussage, dass “Konzentration die wesentliche Komponente für außergewöhnlich Leistung in jeder Aktivität ist, unabhängig von der Fähigkeit oder dem Alter des Ausführenden.“

Wenn wir betrachten, was Kinder so erfolgreich in ihrer Entwicklung und in ihrem Wachstum macht, dann läuft alles darauf hinaus, dass Kinder sich voll und ganz auf das konzentrieren können mit dem sie sich beschäftigen. Dies ermöglicht es ihnen auf eine magische Art mit einer Geschwindigkeit zu lernen, die bei den meisten Erwachsenen nicht mehr möglich zu sein scheint.

Wenn wir konzentriert und aufmerksam bei der Sache sind, dann wecken wir damit unsere Genialität und können zu Meisterschaft gelangen und dabei auch noch viel Freude und Spaß haben.

Wobei die Sache mit der Freude sehr zwiespältig ist. Untersuchungen des Psychologen Mihaly Csikszentmihaly zeigen, dass wir in diesen Zustand der vollen Konzentration und Aufmerksamkeit und des Flusses kommen, wenn wir uns mit etwas beschäftigen, dass eine gewisse Herausforderung für uns darstellt.

Ist dabei die Herausforderung zu groß, laufen wir Gefahr entmutigt zu werden und zu früh aufzugeben. Ist die Herausforderung jedoch zu klein, kann uns die Aufgabe langweilen. Die Kunst ist es also, bei einer Aufgabe ein Mittelmaß zu finden, bei der wir nicht überfordert werden. Trotzdem sollte uns die Aufgabe aber auch anstrengen, da wir uns sonst langweilen und unterfordert fühlen könnten. Erst durch das gesunde Mittelmaß entsteht das Gefühl von Flow und entspannter Konzentration, dass begleitet ist von Freude.

Interessanterweise zeigen die Untersuchungen von Mihaly Csikszentmihaly aber auch, dass wir bei jeder Aufgabe in völliger Präsenz und entspannter Konzentration übergehen können, egal worum es sich dabei handelt. Wenn wir diese Aufgabe so gestalten, dass sie uns nicht überfordert aber auch nicht unterfordert, so werden wir auch bei der geringsten Sache in einem Zustand des Flusses kommen. Wenn Sie schon mal meditiert haben, wissen sie z.B. das selbst Aufgaben wie die eigenen Atemzüge zählen einen in den Zustand der Konzentration und des Flusses bringen können.

Doch eines ist dabei auch klar! Entspannte Konzentration gelingt zu Beginn erst durch willentliche und bewusste Konzentration. Was ist der Unterschied? Während die meisten Menschen Konzentration mit Anstrengung verbinden, handelt es sich bei dieser Art von Konzentration um eine unangestrengte und selbst verstärkende Konzentration, die uns nicht anstrengt, sobald wir in diesen Zustand eingetreten sind.

Bei dieser Art von Konzentration verlieren wir das Gefühl, dass da einer ist, der irgendwas tut. Es ist mehr eine Art des Tuns, die aus sich heraus geschieht. Da ist keiner, der die Handlungen ausführt. Es sind Handlungen und Tun vorhanden, doch es ist keiner da, der angestrengt und bewusst handelt. Diese Art von Konzentration drückt sich durch selbstvergessen aus.

Dies ist der Zustand, den kleine Kinder als ihren natürlichen Zustand erfahren. Es ist der Zustand des NICHT-Wissens!

Dies ist der Zustand in dem große Musiker ihre Musik spielen. Dies ist der Zustand den Sportler im Wettkampf, aber auch beim Training suchen. Dies ist der Zustand in dem große Dichter ihre Verse verfassen und dies ist der Zustand mit dem die Samurais in den Krieg gezogen sind.

Wie, auch die Samurai?

Ja, genau die Samurai!

Konzentration und Aufmerksamkeit sind nicht nur ein Zustand, der bei künstlerischen und sportlerischen Tätigkeiten auftritt. Nein, dieser Zustand des Flusses zeichnet auch die großen Kampfkünstler aus und war auch für die Samurai unabdingbar um ihre Kampfkünste zu erlernen und auf dem Schlachtfeld zu überleben.

Wenn Sie schon mal eine Kampfkunst trainiert haben, wissen Sie, wovon hier die Rede ist. Die Kampfkünste und im Grunde genommen alle Sportarten erfordern Konzentration und Aufmerksamkeit. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Karate oder Judo-Dojo und trainieren gerade irgendeine Technik. Wenn Sie dort auf der Matte stehen und trainieren und nicht wach, konzentriert und aufmerksam sind, werden Sie sehr schnell spüren, was passiert, wenn Sie nicht aufmerksam und konzentriert trainieren.

Also auch für das Erlernen der Kampfkünste sind Aufmerksamkeit und Konzentration unentbehrlich und ergeben sich ganz natürlich aus dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen, nicht verletzt zu werden.

Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie wären ein Samurai und Sie befinden sich im Trainingslager. Sie wissen, dass Sie irgendwann einmal auf dem Schlachtfeld stehen werden, um zu töten oder getötet zu werden.

Wie aufmerksam wären Sie dann? Wie konzentriert würden Sie dann trainieren? Wie wichtig wäre es ihnen dabei, völlig entspannt und konzentriert zu blieben, wenn Sie wissen, dass wenn Sie sich verkrampfen, ihre Muskeln gegen Sie arbeiten werden. Und wie würden Sie damit umgehen, dass wenn Sie auch nur einmal auf dem Schlachtfeld unaufmerksam sind, Sie entweder schwer verwundet werden können oder sogar sterben werden?

Was sonst können wir von den Samurai lernen? Denken und entspannte Aufmerksamkeit und Konzentration schließen sich aus. Jeder Gedanke auf dem Schlachtfeld ist eine Ablenkung und kann den Tod bedeuten. Dieser Zustand der Genialität zeichnet sich also gerade dadurch aus, dass man nicht denkt, aber trotzdem Leistung erbringt.

Und dies gilt nicht nur für Samuraikämpfer, sondern auch für Schriftsteller. Selbst Schriftsteller haben als sie ihre Dichtung oder ihren Roman geschrieben haben, gerade nicht gedacht hat, sondern nur geschrieben und nicht darüber nachgedacht hat, was sie geschrieben haben. Auch ein Schriftsteller geht also beim Schreiben im Schreiben auf und ist voll und ganz bei der Sache und denkt nicht beim Schreiben über das nach was er geschrieben hat. Wobei dies natürlich nicht heißt, dass er davor und danach über das was er schreiben möchte nicht bewusst nachdenken sollte. Doch Schreiben und gleichzeitiges Denken erschweren beides.

Ich erzähle ihnen all dies damit Sie verstehen, wie wichtig Aufmerksamkeit für Lernen und Meisterschaft in ihrem Leben ist. Volle entspannte Aufmerksamkeit und Konzentration zeichnet alle großen Meister und Genies aus.

Entspannung und Konzentration gehören zusammen. Es gibt keine angespannte Konzentration. Angespannte Konzentration und Aufmerksamkeit wandeln sich schnell in Unaufmerksamkeit und Unachtsamkeit aus. Im Gegensatz zum Samurai haben wir dabei zwar nicht das Problem unseren Kopf zu verlieren, doch wenn wir nicht in der Lage sind uns entspannt zu konzentrieren, dann werden wir unser Potential und unsere Fähigkeiten nur eingeschränkt nutzen können.

Aufmerksamkeit und entspannte Konzentration sind die verborgenen Fähigkeiten, die alle Genies und Meister auszeichnet. Warum verborgen? Verborgen für die meisten, weil sie nicht gesehen haben, wie die Meister stundenlang und jahrelang konzentriert und aufmerksam trainiert habe.

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